Alles Gute zum Alltag! Was Routinen wirklich bewirken können

Wer hat es noch nicht gehört oder gelesen? Wenn Du glücklich und erfolgreich sein willst, dann kommst Du um DIE PERFEKTE MORGENROUTINE nicht herum! In diesem Beitrag schauen wir mal, was Routinen genau sind und welche Folgen sie haben können.

 

Routinen entlasten unser Gehirn

Unser Gehirn verbraucht knapp 20 % unseres Energieumsatzes. Jede graue Zelle, die morgens noch ein wenig länger schlafen darf, während wir schon in den Tag starten, spart uns also Energie. Das löst unser Gehirn größtenteils schon automatisch durch passiv automatisierte Routinen.

Laut einer Studie der University of California läuft etwa 43 % unseres Alltags automatisch ab. Unsere Routinen werden dabei vorrangig durch Umgebungsreize ausgelöst und gesteuert. Beispielsweise wenn wir morgens ins Bad gehen, wird der Gang zur Toilette, unter die Dusche und ans Waschbecken zum Zähneputzen programmartig abgespult.

Die meisten alltäglichen Automatismen, wie das Binden von Schnürsenkeln oder die Zubereitung von Kaffee, funktionieren beinahe wie von selbst und werden von unserem aktiven Bewusstsein einfach durchgewunken. Jedes Mal, wenn wir Routinen ausführen, belohnt uns unser Gehirn uns mit positiven Botenstoffen, die in uns ein gutes Gefühl auslösen.

 

Wann greifen wir denn eigentlich auf Routinen zurück?

Unser Tag besteht aus unzähligen kleineren und größeren Entscheidungen. Die meisten davon trifft wie beschrieben unser Gehirn für uns. Dieser Automatismus setzt ein, wenn

  • sich Entscheidungssituationen wiederholen oder
  • Entscheidungen schnell getroffen werden müssen.

 

Routinen beeinflussen unsere Entscheidungen

Das Wort Routine hat seinen Ursprung im Französischen und bedeutet „Wegerfahrung“ und beschreibt sehr gut, worum es bei Routinen vor allem geht – unsere zukünftige Handlung hängt von unseren erlebten Erfahrungen ab.

Stehen wir vor einer neuen Situation, die uns eine Entscheidung abverlangt, ist uns die Lösung anfangs unbekannt. Hier müssen wir uns intensiv mit der Situation auseinandersetzen, Informationen sammeln und bewerten sowie abwägen, welche Konsequenzen die jeweiligen Entscheidungsalternativen nach sich ziehen. Diesen aufwändigen Prozess der Entscheidungsfindung kürzt unser Gehirn irgendwann ab – und zwar dann, wenn wir mit ähnlichen Situationen konfrontiert werden. Der Sozialpsychologe Tilmann Betsch trifft es folgendermaßen auf den Punkt: „Bei neuen Entscheidungen geht es um die Frage „Welches Verhalten soll ich wählen?“ Bei routinierten Entscheidungen lautet das Problem „Soll ich mein bisheriges Verhalten beibehalten oder davon abweichen?“

Routinen haben bedeutet also auch, dass wir uns in wiederkehrenden Entscheidungssituationen von ihnen leiten lassen. So müssen wir in ähnlichen Situationen nicht immer wieder von Neuem überlegen, ob wir mit dem Bus oder mit dem Auto zur Arbeit fahren, was wir frühstücken oder welches Programm wir für unsere E-Mails nutzen.

Laut Betsch übernehmen Routinen den vollständigen Entscheidungsprozess, indem sie „systematisch die Generierung von Alternativen, die Informationssuche, die Bewertung, die Wahl und schließlich die Implementierung des gewählten Verhaltens beeinflussen.“

Durch Erfahrungen lernen wir, welches Verhalten in bestimmten Situationen für uns passend und zielführend ist. Darauf baut sich dann automatische eine Art Entscheidungsroutine auf.
Einerseits stellt das eine Entlastung dar und hilft uns weitere zielführende Entscheidungen zu treffen, andererseits kann es uns auch in unserer Weiterentwicklung ausbremsen.

Wir blenden Alternativen aus und bewegen uns in unserem Routine-Bereich. Die Art und Weise wie wir Informationen suchen und bewerten, um uns zu entscheiden, wird beschränkt auf unsere Erfahrungen und wir bleiben in unserer Komfortzone stecken. Wenn wir uns stets in diesem routinierten Bereich bewegen, werden wir eher seltener Entscheidungen treffen, die uns dazu bewegen, diese zu verlassen.

 

Individuelle Routinen beeinflussen auch Gruppenentscheidungen: Untersuchungen zeigen, dass der Einzelne an seiner präferierte Entscheidungsroutine auch in Gruppen festhält. Steht ein Team also vor einem zu lösenden Problem, kann die Lösungsfindung durch jeweilige unangemessene Routinen deutlich behindert werden.

 

Weiterer Fact: Fehler durch Routineblindheit kann Leben kosten. Ursache für die meisten schweren Unfälle in der Luftfahrt sind Routinefehler.

 

Routinen müssen nicht langweilig sein

Laut einer Studie von Ed O’Brien (Universität von Chicago) können wiederholte Erfahrungen uns mehr Freude bereiten als wir denken.

Der Forscher ließ seine 3.400 Probanden verschiedene Erlebnisse wiederholen. Sie gingen ein weiteres Mal durch das gleiche Museum, schauten erneut den gleichen Film oder spielten ein zweites Mal das gleiche Computerspiel. Dabei befürchteten die Teilnehmer, dass die zweite Runde langweilig werden würde, da sie ja bereits alles kennen.

Im Gegenteil: Die Wiederholung machte wesentlich mehr Freude als gedacht, denn Wiederholungen lassen uns Einzelheiten und Neues entdecken, dass wir vorher nicht bemerkt hatten. O’Briens Fazit hierzu: „Wenn Menschen eine Wiederholung nur deshalb vermeiden, weil sie fürchten, dass das Vertraute nichts mehr zu bieten hat, dann entgeht ihnen vielleicht etwas.“

 

Mehr Zeit durch Routinen

Je weniger wir überlegen müssen, desto mehr Zeit sparen wir. Automatisierte Handlungen bedürfen kaum Aufmerksamkeit und wir können nebenher noch andere Dinge tun. Wenn wir nicht gerade Achtsamkeit praktizieren wollen, können wir das ganz bewusst nutzen und uns nebenher ein wenig in Gedanken und Phantasien verlieren, Kreativität fließen lassen und so vielleicht neue Ideen und Lösungen entwickeln.

 

Routinen als Freund und Alltagshelfer

Nützliche Routinen helfen uns unseren Tag zu strukturieren, Kompetenzen weiterzuentwickeln und gesund zu bleiben. Sie bewahren uns beispielsweise davor, in stressigen Zeiten ungesund zu leben. Auch wenn wir in Ausnahmezeiten mal hier und da Fünfe gerade sein lassen, fällt es uns leichter, gesunde Gewohnheiten trotzdem durchzusetzen.

Gute Routinen können auch allgemein unsere Stressresilienz stärken. Sport, gesunde Ernährung, ein positives Mindset – all diese Dinge können wir mit Hilfe von Routinen automatisieren und uns damit eine Art Gesunheits-Backup bzw. Anti-Stress-Paket zulegen.

Routinen strukturieren darüber hinaus unseren Tag und sind eine Orientierungshilfe. Als kleine Meilensteine machen ihn für uns übersichtlich und handhabbar. Das fördert unsere Produktivität und wir fühlen uns weniger überfordert.

Übung macht den Meister. Automatisierte Handlungen, die wir regelmäßig durchführen, verbessern wir Stück für Stück. So können wir ausgewählte Routinen dafür nutze, vorhandene Talente und Stärken auszubauen und neue dazuzugewinnen. Dabei erleichtert uns nicht nur die Routine selbst, sondern auch das Erfolgserlebnis, das damit einhergeht, diszipliniert zu sein und durchzuhalten.

Fazit: Routinen können sich aktiv und passiv entwickeln. Sie sind eine hilfreiche Entlastung für unseren Alltag, sollten jedoch möglichst überlegt gewählt und unseren Alltag nicht dominieren. Ein Großteil unserer Routinen wird indirekt durch unsere Umgebung beeinflusst, kann so jedoch von uns wieder aktiv gesteuert werden.

 

Tipps für den Alltag:

  • Sei dir klar darüber, dass deine Routinen eine Schlüsselrolle dabei einnehmen, wie du Entscheidungen triffst
  • Breche hin und wieder Automatismen auf. Fälle deine Entscheidungen nicht ausschließlich schnell und aus dem Bauch heraus, sondern nimm dir einen Moment, um herauszufinden, ob es besser ist, dein bisheriges Verhalten beizubehalten oder eine Alternative zu wählen.
  • Entscheide dich ab und zu mal aktiv für eine unbekannte alternative Handlungsmöglichkeit (z.B. einen anderen Weg zur Arbeit oder höre Mal einen Podcast anstatt zu lesen)
  • Decke ungesunde und unproduktive Routinen auf und ersetze sie durch welche, die dir guttun.
  • Genieße die Routine jedes Mal auf’s Neue und sei achtsam für neue Details, die dir Freude bereiten. So lernst du nicht nur deine Routine besser kennen, sondern übst dich gleichzeitig auch in Achtsamkeit.
  • Erschaffe dir ganz bewusst positive Umgebungsreize. Stell dir z.B. deine Laufschuhe direkt vor die Wohnungstür oder lege dir Obst für dein Frühstück abends schon mit Schüssel, Löffel und Messer zum Schnippeln bereit.

 

Lust auf mehr? Dann lies auch

Wie unsere Gewohnheiten unser Leben bestimmen
Mach es zur Routine!
Wie passt Routine mit Achtsamkeit zusammen?

 

Buch-Tipp: GOOD HABITS BAD HABITS: The Science of Making Positive Changes That Stick (Wendy Wood)

 

Quellen:

Ed O’Brien (2019). Enjoy it again: Repeat experiences are less repetitive than people think. Journal of Personality and Social Psychology, Band 116, Nummer 4, Seite 519-540

Tillmann Betsch (2005). Wie beeinflussen Routinen das Entscheidungsverhalten?. Sonderdruck Psychologische Rundschau, 56 (4), 261–270. Hogrefe Verlag Göttingen.

https://www.splendid-research.com/de/studie-morgenrituale.html

GOOD HABITS BAD HABITS: The Science of Making Positive Changes That Stick (Englisch) Gebundene Ausgabe – Illustriert, 1. Oktober 2019

Englisch Ausgabe von Wendy Wood

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